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		<title>Baum und Astwerk: Neuigkeiten</title>
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		<description>Fachbetrieb für Baumpflege und Spezialfällungen</description>
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			<title>Baum und Astwerk: Neuigkeiten</title>
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		<lastBuildDate>Sat, 20 Dec 2025 16:50:00 +0100</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Die Geschichte des Weihnachtsbaumes</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/die-geschichte-des-weihnachtsbaumes.html</link>
			<description>Ohne Baum kein Weihnachten! Aber wieso eigentlich und woher kommt dieser uralte Brauch?</description>
			<content:encoded><![CDATA[Eine vage Geschichte ist sie, die Geschichte des Christbaumes. Aber nichtsdestotrotz eine interessante. Denn ungefähr um die Zeit, als man im Mittelalter anfing Maibäume oder Richtbäume zu feierlichen Anlässen aufzustellen, wurde in den Kirchen zum Fest auch die Weihnachtsgeschichte aufgeführt. Mit einem wesentlichen Unterschied zu heute: Damals hat man als Ouvertüre für das Stück über Maria und Josef die Geschichte von Adam und Eva zum Besten gegeben. Und da im Winter nichts anderes grünt als Fichte, Tanne, Kiefer &amp; Co., musste ein Nadelbaum als Requisite für den verbotenen Apfelbaum im Paradies herhalten. 
Aber selbst in vorchristlicher Zeit finden sich Spuren: Die immergrünen Bäume galten bereits den Römern als Sinnbild des Lebens und der Fruchtbarkeit, nicht zuletzt weil die Zweige in beheizten Räumen zum Blühen gebracht werden können. Und auch die Germanen sollen zur Zeit der Wintersonnenwende Tannenzweige auf öffentliche Plätze und vor die Häuser gelegt haben – ein grünes Symbol der Hoffnung im kahlen, kalten Winter des Nordens. 
Wie aber schaffte es das nadlige Ungetüm in die Häuser der Menschen? Hierzu herrscht unter Ethnologen vorwiegend die Meinung, dass es die Zünfte waren, die sich den Schmuck zur Freude aller Mitglieder zuerst ins Zunfthaus stellten: Da wäre zum einen das Jahr 1465, in dem die Bäckerzunft von Freiburg im Breisgau einen Geschenkbaum mit Äpfeln, Nüssen, Datteln, Brezeln und Papierblumen schmückte und ihn an Neujahr zum Wohle der Armen &quot;schüttelte&quot;. Aber auch die Aufzeichnungen zu den Schneidergesellen von Basel, die zu Weihnachten 1597 mit einem Nadelbaum voll Äpfeln und Käse umherzogen und ihn schließlich in ihrem Zunfthaus aufstellten, bestätigt die Vermutung der Volkskundler.
Und wie immer in der Geschichte der Menschen, waren es auch im Falle des Christbaumes die Besserbetuchten, die&nbsp; gerne für sich haben wollten, was die Masse sich teilen muss. Also stellten sie sich einen Baum in ihre ganz privaten Wohnräume und behängten ihn mit Schmuck und Lebensmitteln zum Zeichen ihres Wohlstands: &quot;An allen Ästchen und Zweigen hingen kostbare Konditorwaren, Engel, Puppen, Tiere, alles aus Zucker… Auch vergoldetes Obst hing daran, so dass man unter diesem Baum wie in einem Speisegewölbe sich befand&quot;, kann man in den Tagebüchern eines Zeitzeugen aus dem Jahr 1795 lesen, der in Nürnberg offenbar in hohem Hause zu Besuch war. Und siehe da, um diese Zeit tauchen dann auch die &quot;unzähligen Wachslichtlein&quot; auf, die &quot;wie Sterne am Himmel&quot; funkeln - und die Feuerwehr für die nächsten Jahrhunderte zu Weihnachten in Atem halten sollten. 
Als schließlich auch die katholischen Herrscherhäuser Europas ihren anfänglichen Widerstand gegen den &quot;heidnischen Brauch&quot; aufgegeben hatten und sich am Glitzern der protestantischen Unart freuten, trat der Weihnachtsbaum seinen Siegeszug um die Welt an – Kolonialisierung, Missionierung und Kulturimperialismus taten ihr Übriges. Heute werden allein in Deutschland jedes Jahr etwa 23 Millionen Weihnachtsbäume gekauft und als Teil der florierenden Festtags-Industrie geschätzt. Bei allen Bedenken, die sich an diesen Gedanken anschließen, bleibt er doch eines der schönsten Dinge an Weihnachten, der Weihnachtsbaum... 
<i>mpr</i><p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sat, 20 Dec 2025 16:50:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Die motormanuelle Holzernte</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/die-motormanuelle-holzernte.html</link>
			<description>Unsere Erfahrungen im Bereich der motormanuellen Holzernte haben wir unter anderem in Norwegen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[&quot;Glaube mir, denn ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern; Bäume und Steine werden dich lehren, was du von keinem Lehrmeister hörst.&quot;
<i>Bernhard von Clairvaux (gest. 1153) </i>
Der diese Worte sprach, lebte im sogenannten &quot;Hölzernen Zeitalter&quot;: Eine Epoche, die vom Beginn des Mittelalters bis zum Ende des 18. Jahrhunderts andauerte.
In dieser Zeit wurde der unentbehrliche Rohstoff Holz nicht nur für den Haus- und Gebäudebau verwendet, sondern war auch für den Schiffs- und Kriegsgerätebau, die Beheizung und die Herstellung des größten Teils aller Gerätschaften, Einrichtungsstücke und Kulturgegenstände von entscheidender Bedeutung. Es lässt sich ohne Zweifel behaupten, dass unsere Zivilisation ihre Entwicklung in dieser Zeit diesem wertvollen Naturprodukt und dem Wissen um seine Ernte aus den Wäldern zu verdanken hat.
Mit dem technischen Fortschritt wurden auch die Methoden der Holzernte effektiver, kostengünstiger und leistungsstärker. So kommen während des so genannten mechanisierten Verfahrens Holzerntemaschinen zum Einsatz, die vom Holzeinschlag bis zur Holzaufnahme ganze Arbeit leisten: Das sind zum Beispiel Holzvollernter, englisch &quot;Harvester&quot;, die halbautomatisch Fällung, Entastung und Sortimentsbildung durchführen. Oder auch Prozessoren, englisch &quot;Forwarder&quot;, die das geerntete Holz aus dem Bestand an den LKW-befahrbaren Waldweg vorliefern. 
Aber die Wälder leben nicht nach unserer Zeitlichkeit, weshalb das motormanuelle Verfahren noch immer allseitig anwendbar ist und auf traditionelle Holzerntemethoden zurückgreift. Zwar werden hierbei Axt und Pferd durch Motorsägen und Seilwinden ergänzt oder ersetzt, aber schwierige Geländeverhältnisse, wie Steilhänge und Hiebsflächen, stellen für ausgebildete Waldarbeiter kein Hindernis dar. 
Besonders in alpinen Breiten spielt die Abstimmung der Holzernte auf extreme Herausforderungen eine bedeutende Rolle. Wenn das Gelände für Holzvollernter nicht befahrbar ist oder höchstens für Prozessoren zugänglich, dann bleibt keine Alternative zur motormanuellen Holzernte. Denn den Prozessoren muss das Holz zugearbeitet werden, das heißt Fällarbeit, Entastung, Entwipfelung, Aufteilung des Stammes in kürzere Teile zur besseren Transportfähigkeit und etwaige Vermessungen nehmen die Waldarbeiter vor.&nbsp; 
Sollte auch der Prozessor das Gelände nicht befahren können, kommen unter anderem die Seilbringung oder die Methode des Treibens zum Einsatz:
Die Holzbringung mit temporär errichteten Seilbahnen und Seilkränen erfolgt bis zu einem befahrbaren Zwischen- oder Endlagerplatz, wo das Holz zur Abholung gestapelt wird. 
Beim Treiben oder Holzen werden die Baumstämme unter Ausnutzung der Hanglage in Schneisen oder auch in Rutschbahnen, die aus anderen Stämmen errichtet wurden, bis zum &nbsp;Zwischen- oder Endlagerplatz getrieben. Ein dazu speziell entwickeltes Werkzeug, das vor allem früher im Alpenraum Anwendung fand, ist der Sappie – eine Kombination aus Wendehaken und Hammer zum Ziehen, Anheben und Wenden des Stammes. 
Die motormanuelle Holzernte ist zweifellos ein kostenintensives und körperlich schwer beanspruchendes Verfahren, das mit einer hohen Unfallgefahr verbunden ist. Aber fest steht auch, dass Schäden an Boden und Bestand geringer sind als bei der mechanisierten Variante. Darüber hinaus bedarf sie eines wesentlich geringeren Organisationsaufwandes und ist nicht zuletzt deshalb wesentlich flexibler und allzeit einsetzbar.
<b>Selbstverständlich umfasst der Leistungskatalog unserer Firma die motormanuelle Holzernte. Wir sind überzeugt, dass unsere Erfahrungen auf diesem schwierigen Gebiet als Grundlage für Spezialfällungen unersetzlich sind.</b>
<i>mpr</i><p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Tue, 07 Nov 2023 12:26:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Bäume und ihr Alter</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/baeume-und-ihr-alter.html</link>
			<description>Gemessen an einem langen Baumleben, ist das Leben eines Menschen nicht mehr als ein Wimpernschlag....</description>
			<content:encoded><![CDATA[&quot;In Sung ist ein Platz namens Dornhain. Dort gedeih’n Katalpen, Zypressen und Maulbeerbäume. Die Bäume nun, die ein oder zwei Spannen im Umfang haben,&nbsp; die werden abgehauen von den Leuten, die Stäbe für ihre Hundekäfige wollen. Die drei, vier Fuß im Umfang haben, werden abgehauen von den Vornehmen und reichen Familien,&nbsp; die Bretter machen für ihre Särge. Die mit sieben, acht Fuß Umfang werden abgehauen von denen, die Balken machen für ihre Luxusvillen. So erreichen sie alle nicht ihrer Jahre Zahl, sondern gehen auf halbem Wege zugrunde durch Säge und Axt. Das ist das Leiden der Brauchbarkeit.&quot;<i></i>
<i>Bertolt Brecht – Der gute Mensch von Sezuan (1943)</i>
Was Brecht hier poetisch scharf beschreibt, führt zu der Tatsache, dass sehr alte Bäume nur dort zu finden sind, wo der Mensch sie nicht braucht, sie nicht finden kann, oder wo er wegen der unwirtlichen Verhältnisse selten oder nie hinkommt.
 So stehen die lange Zeit als älteste unter den lebenden Bäumen geltenden &quot;Bristlecone Pines&quot; oder Grannenkiefern (<i>Pinus aristata</i>, seit 1971 wegen ihrer Langlebigkeit auch <i>Pinus longaeva</i>) in den White Mountains, einer 100 km langen und 15 km breiten Bergkette an der kalifornischen Küste am Rande der Sierra Nevada. In dieser ansonsten baumarmen und lebensfeindlichen Gegend finden sich diese knorrigen, nur wenige Meter hohen Kiefern nahe der Baumgrenze auf einer Höhe von 2000 bis 4300 Metern ü. NN. Bei wenig Niederschlag und extremer Windlast wuchsen diese Bäume über fast 5000 Jahre an nur rund 45 Tagen im Jahr. Dass es in dieser klimatischen Gegend kaum holzzersetzende Pilze oder holzverarbeitende Menschen gibt, trägt sicherlich in hohem Maße zum beachtlichen Alter der Rekordhalter bei. 
 Der älteste unter ihnen wird mit 4723 Jahren Alter angegeben, steht auf einer Höhe von über 3000 m ü. NN und wurde 1958 von Edmund Schulman, einem Wissenschaftler der University of Arizona entdeckt, der ihn &quot;Methuselah&quot; nannte. 
 Als man einem Geografiestudenten einige Jahre später erlaubt hatte, eine andere, ebenfalls als extrem alt geschätzte Grannenkiefer namens &quot;Prometheus&quot; in dem Gebiet zu fällen, um anhand der Jahresringe Beweise zu liefern, hatte man einen 4862 Jahre alten Baum verloren. Aber wenigstens war man sich jetzt sicher. 
Nicht sicher ist man sich bis heute bei den Tamrit-Zypressen im algerischen Tassiligebirge, die man ebenfalls auf rund 5000 Jahre schätzt und bei einer japanischen Sicheltanne auf der Insel Yakushima, der man gut 7000 Jahre zumutet.
Von diesen Rekordhaltern im Bereich lebende Individualbäume sind sogenannte Klonbäume zu unterscheiden, die sich wie folgt beschreiben lassen: manche Bäume, so zum Beispiel Fichten, können sich über ihre Wurzeln, und damit nicht wie häufiger, über ihre Samen vermehren. Durch diese vegetative Fortpflanzung, die im Gegensatz zur geschlechtlichen steht, sind mehrere Generationen von Bäumen mit dem exakt gleichen Erbmaterial möglich, alle aus einem uralten Wurzelwerk entstehend. 
Davon entdeckten Forscher für Physische Geographie der schwedischen Universität Umeå im Jahr 2008 ein Exemplar, dessen genetisches Alter auf 9550 Jahre datiert wird. Es handelt sich um eine Gemeine Fichte (Picea abies)&nbsp; im Nationalpark Fulufjället, die nach dem verstorbenen Hund des federführenden Professors &quot;Old Tjikko&quot; benannt wurde. Wahrscheinlich wuchs der Baum ursprünglich als nahe am Boden kriechende Krummholzformation, um den extremen Witterungsbedingungen standzuhalten. Dann, nachdem das Klima über Jahrtausende um einige Grad wärmer wurde, konnte er sich aufrichten und ist heute etwa fünf Meter hoch. Ausgesprochen unscheinbar – und doch so alt, dass ein Klon von ihm das erste Mal zu wachsen begann, als man in der Jungsteinzeit gerade noch jagte und sammelte, die ersten Häuser zu Siedlungen wurden, die ersten Einbäume auch auf dem Meer unterwegs waren und langsam aber sicher der Ackerbau seinen Siegeszug antrat. 
Es gibt zwei wesentliche Methoden zur Feststellung des Alters von Bäumen oder Holz im Allgemeinen: zum einen die Dendrochronologie, zum anderen die Radiokohlenstoffdatierung.
Letztere beruht darauf, dass in abgestorbenen Organismen die Menge an gebundenen radioaktiven 14C-Atomen gemäß dem Zerfallsgesetz abnimmt. Lebende Organismen sind davon nicht betroffen, da sie ständig neuen Kohlenstoff aus der Umwelt aufnehmen, der wieder den normalen Anteil an 14C-Atomen einbringt. Willard Frank Libby hat für die Entwicklung dieser Methode 1960 den Nobelpreis für Chemie bekommen.<br />(<link http://de.wikipedia.org/wiki/Radiokohlenstoffdatierung - - "KOhlenstoffdatierung bei Wikipedia">http://de.wikipedia.org/wiki/Radiokohlenstoffdatierung</link>)
<a name="_ftnref1" href="http://baum-und-astwerk.de/baum.html#_ftn1"></a> 
Im Gegensatz zur Radiokarbonmethode kann die Dendrochronologie eine jahrgenaue Datierung liefern und oft werden beide Methoden als sich einander ergänzend angewendet. Diese Jahrringforschung, als deren eigentlicher Begründer der amerikanische Astronom Andrew E. Douglass (1867-1962) gilt, wurde bereits von da Vinci angedacht und überzeugt durch prinzipiell einfache Anwendbarkeit bei gleichzeitig hohem Erkenntnisgewinn. Denn in der Aufeinanderfolge unterschiedlich breiter Jahrringe und auch im Zellwachstum des Holzes, steckt das Wissen über das Leben des Baumes. Vor allem die klimatischen Umstände, unter denen sein Leben verlaufen ist, können von der Wissenschaft wie die Seiten eines Jahrbuches gelesen werden. Je breiter der Jahrring, desto üppiger das Jahr, je schmaler, desto ungünstiger müssen die Bedingungen in diesem Jahr gewesen sein. Die Jahrringe werden unter dem Mikroskop vermessen und das Ergebnis wird mit einer bereits bestehenden Mittelwertkurve, dem sogenannten Jahrringkalender, verglichen. Wenn sich eine Übereinstimmung ergibt, spricht man von der Synchronlage, die es den Forschern ermöglicht das Alter der Probe jahrgenau zu bestimmen.
Aber bei allem menschlichen Erkenntnisstreben bleibt eines sicher: Ob &quot;Methuselah&quot;, &quot;Prometheus&quot; oder &quot;Old Tjikko&quot; – keiner dieser erdgeschichtlichen Zeugen hat mehr als ein wohlwollendes Lächeln für unsere Anstrengungen übrig, denn in ihnen tickt eine andere Uhr.
<i>mpr</i>
<div><div id="ftn1"><a name="_ftn1" href="http://baum-und-astwerk.de/baum.html#_ftnref1"></a></div></div><p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 07 Jan 2022 11:12:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Der Holzweg nach Rom: Ein Imperium vom Baum aus betrachtet</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/auf-dem-holzweg-nach-rom-das-imperium-vom-baum-aus-betrachtet.html</link>
			<description>Eine Geschichte von der Erfindung der Fußbodenheizung, der Malariamücke und antikem Wipfelglück...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Das Römische Reich ist das einzige Imperium der Geschichte, das sich rund um das Mittelmeer erstreckte. So wie das ungefähr 100.000 km lange Straßennetz das Rückgrat des antiken Kolosses war, so war das etwa 2,5 Millionen km² große Binnengewässer zwischen Europa, Asien und Afrika die Drehscheibe der Wirtschafts- und Militärmacht Rom. Nicht zuletzt deshalb spielen seine Errungenschaften auf dem Gebiet des Schiffbaus und seine Eroberungen zur See eine wichtige Rolle in der Geschichte der Seefahrt – und sind ohne den Rohstoff Holz undenkbar. Aber auch die beispiellose städtebauliche Entwicklung der Metropolregion Rom verdankt sich diesem Material, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Holz der wichtigste Energielieferant der Antike war.
Archäologen, Historiker, Literaturwissenschaftler und Kunsthistoriker leiden mitunter an einer Eigenschaft, die auch Roms Holz mit sich bringt: es ist vergänglich. Vorwiegend aus schriftlichen Quellen setzt sich deshalb das Wissen um hölzerne Architekturfinessen, erstaunliche Heizmethoden und Schiffbautechniken in der römischen Marine zusammen. So ist in der Literatur unter anderem die Rede von mehr als 2.000 Eichen für ein einziges Kriegsschiff, Unmengen an Maulbeerfeigenbäumen zur Befestigung der Nildeiche und von Luxus-Bädern, die Platz für gut 2.000 Wellnessgäste boten. Unter den Caracalla-Thermen zum Beispiel arbeiteten Hundertschaften von Sklaven an riesigen, mit Holz befeuerten Öfen, um Wasser und Luft zu erhitzen: Über Tonrohre wurde die heiße Luft in sämtliche Räume geleitet und diente überdies als Fußbodenheizung in den Becken. 
Aber auch in den Villen der Reichen wollte man auf die mollige Wärme nicht mehr verzichten, hatte man doch als Wohlbetuchter das Pech, in besonders großen Räumen zu wohnen, die mit den damals üblichen offenen Feuerstellen nur schwer zu beheizen waren. Die Oberschicht packte also die Sanierungswut und jeder, der etwas auf sich hielt, wollte eine von diesen neuen Heizungen: Dabei zirkulierte durch zahlreiche Hohlziegel unter den Böden und in den Wänden warme Luft, die in Öfen erhitzt wurde, welche wiederum außerhalb der Wohnräume mit Holz befeuert wurden - und die Holznachfrage stieg unaufhaltsam. Die Idee hatte laut Vitruv übrigens ein Herr namens C. Sergius Orata, dessen Nachname passenderweise mit &quot;Goldfisch&quot; übersetzt werden kann. Ein solcher war er mit den Einnahmen aus jener kleinen Warmduscher-Revolution über Nacht auch geworden. 
Der Untergang dieser Weltmacht ist bis heute ein Gegenstand der Forschung, die neben den inneren Fehlentwicklungen und dem Druck von äußeren Feinden auch immer häufiger den Kahlschlag der Wälder im Mittelmeerraum zum Thema macht. Denn die erste Millionenmetropole der Welt brauchte nicht nur Holz, sondern auch Lebensmittel in rauen Mengen. So trat neben die Abholzung die großflächige ackerbauliche Nutzung, was über Jahrhunderte zu einer erheblichen Erosion und zur Sedimentation von Lehm in den Flusstälern führte. Es bildeten sich feuchtheiße Sümpfe, in denen sich vor allem eine besonders wohl fühlte und rasend schnell vermehrte: die todbringende Anophelesmücke, Überträgerin des Malaria-Fiebers. Nicht zuletzt wegen neuerlicher DNA-Analysen wird davon ausgegangen, dass eine aggressive Epidemie im Rom des 5. Jahrhunderts n. Chr. wütete und die Bevölkerung folgenschwer dezimierte. In der Antwort der Römer auf diese verheerende Seuche schwang aus heutiger Sicht viel Hilflosigkeit und Verzweiflung mit: Sie legten zwischen Rom und den Sümpfen Schweineställe an, um die Fiebermücken &quot;abzufangen&quot; und errichteten Tempel für Febris, die Göttin des Fiebers. 
Die Erkenntnisse über den eigentlichen Zusammenhang von Abholzung und Versumpfung, beziehungsweise Verkarstung, haben noch mehr als eineinhalb Jahrtausende auf sich warten lassen: Erst 1713 veröffentlichte der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) sein Werk &quot;Sylvicultura Oeconomica&quot; und führte in diesem ersten forstwissenschaftlichen Lehrbuch der Welt auch den Begriff der Nachhaltigkeit ein. Die Iberische Halbinsel, Dalmatien, große Teile Großbritanniens und Portugals, aber auch die Lüneburger Heide, die einst ein Eichenwald war, sind Zeugen verschiedenster Epochen, in denen die Seemächte die Wälder ihres Landes für den Schiffbau ausbeuteten. Denn wenn nicht systematisch wieder aufgeforstet wird, fehlt das Wurzelwerk, das die Bodenkrume zusammenhält und das Blattwerk, dass den Boden vor zu starker Sonneneinstrahlung und Austrocknung schützt. Der Regen kann den fruchtbaren Oberboden ungehindert wegspülen und ein unseliger Kreislauf setzt sich in Gang. Verkarstung nennt man das irreversible Ergebnis, dass auch Jahrhunderte später keine Aufforstung mehr zulässt und heute in der Gegend um Rom vor allem auf Satellitenbildern gut zu erkennen ist. 
Aber, und das darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, auch im alten Rom gab es Baumschutzmaßnahmen – von weltlicher, und auch göttlicher Natur. Heilige Haine und kaiserliche Forsten wagte der Normalsterbliche aus Angst vor Strafe kaum anzusehen. So finden sich im Libanon steinerne Zeugen von fast zweihundert, in den Fels gemeißelten Verbotstafeln, mit denen Kaiser Hadrian im Jahr 138 n. Chr. klar machte: &quot;Imperator Hadrianus Augustus – definito silvarum arborum genera quattuor, cetera privata&quot; – soll soviel heißen wie: &quot;Kaiser Hadrian Augustus – Grenze der Wälder – vier Arten von Bäumen gehören dem Kaiser – die übrigen sind privat&quot;. Denn auch wenn man die Ausmaße der Entwaldung noch nicht kannte, so wusste man als weitsichtiger Herrscher doch, dass der Besitz dieses begehrten, aber langsam nachwachsenden Rohstoffes auf lange Sicht die Macht sicherte – auch die der Nachfolger, denn Hadrian starb noch im selben Jahr. Zu diesem Thema berichtet Livius, dass man den besiegten Makedonen 168 v. Chr. untersagte, Holz für den Schiffbau zu schlagen. Damit hat man die Seemacht an ihrer empfindlichsten Stelle getroffen. 
Und Augustus ließ einst einen General seines Schwiegervaters und Kollegen Antonius auf der griechischen Insel Kos an Ort und Stelle hinrichten, weil er für den Schiffbau heilige Bäume des Asklepios hatte fällen lassen. Denn Asklepois war der Gott der Heilkunst, der im Zweifel über Leben und Tod entschied. In so mancher heiligen Eiche wurde Jupiter verehrt und Apollon glaubte man im Lorbeer, vom Ansehen des Olivenbaumes ganz zu schweigen. Kaiser Caligula liebte die Platanen – aber weniger aus Gottesfurcht, sondern vielmehr aus purer Partylust: Plinius berichtet, dass sich der exzentrische Autokrat bei Velletri in den Albanerbergen ein &quot;Nest&quot; in die Wipfel einer Platane hat bauen lassen, wo er sich mit bis zu fünfzehn Gästen und dem erforderlichen Personal vergnügte, wenn ihm das Feiern auf seinen Prachtschiffen auf dem Nemi-See zu öde wurde.
Die Berichte der römischen Chronisten würden weitere Seiten füllen, aber eines ist auch jetzt schon klar: Roms Bäume hätten viele Geschichten zu erzählen...
<i>mpr</i> <p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 07 Jan 2021 15:37:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Kastanie, der Kies und der Biergarten</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/die-kastanie-der-kies-und-der-biergarten.html</link>
			<description>Eine Geschichte aus alter, bayerischer Zeit: Über Licht und Schatten, Baum und Mensch, Bier und...</description>
			<content:encoded><![CDATA[&quot;Bier ist der Beweis, dass Gott uns liebt und will, dass wir glücklich sind.&quot;
<i>Benjamin Franklin (1706-1790)</i>
Diese Worte sprach einst der berühmte Benjamin Franklin, der sein Leben der Aufgabe widmete, das Gemeinwesen zu fördern und der als ausgesprochener Genussmensch galt. Wie wohl hätte sich der Erfinder des Blitzableiters und Kämpfer gegen die Sklaverei in einem echten bayerischen Biergarten gefühlt. Dem wird nämlich ganz offiziell eine &quot;wichtige soziale und kommunikative Funktion&quot; bescheinigt – also ausgesprochen gemeinwohlfördernd und herrlich genüsslich obendrein.
Was aber hat die Kastanie mit dieser Geschichte zu tun? Sie hat den Biergarten erst möglich gemacht. Um das zu verstehen, muss man bis ins 16. Jahrhundert zurück, als der Herzog Albrecht V. von Bayern zum Handeln gezwungen war: Jeden Sommer brachen in der dicht bebauten, holzigen Münchner Innenstadt verheerende Brände aus, die beim Anfeuern der Siedekessel in den Brauereien entstanden waren. Zorn der Bürger hin oder her, ein Dekret musste her, das den Brauern in der Zeit zwischen dem Tag des heiligen Michael und dem des heiligen Georg das Bierbrauen verbot. Mit anderen Worten: Am 23. April wurden den Brauern die Kessel versiegelt und erst am 29. September wieder geöffnet.
Ein Sommer ohne Bier? Nicht mit den Bayern. Bier auf Vorrat, das war die Lösung. Zum einen wurde ein untergäriges und deshalb etwas länger haltbares &quot;Märzenbier&quot; gebraut - benannt nach dem Monat bevor die Sommerbraupause in Kraft trat. Aber auch das muss gekühlt werden, damit es nicht verdirbt. Also wurden zum anderen &quot;Märzenkeller&quot; neben den Brauereien in die Erde gegraben - aber schon bald stieß man auf den hohen Münchner Grundwasserspiegel. Es galt die geringe Tiefe durch Sonnenschutz von oben auszugleichen: Kies und Kastanien beschatteten die Kellerdecken und halfen die darunter liegenden Holzfässer zu kühlen. Diese wurden zusätzlich auf Stangeneis gelegt: So nennt man die bis zu 270 kg schweren Eisblöcke, welche während des Frostes aus den naheliegenden Alpen und Seen geschlagen wurden.
Weil die Gemeine Rosskastanie schnell wächst, durch ihre großen, breiten Blätter viel Schatten spendet und außergewöhnlich flach wurzelt, blieben die Gewölbekeller vom Wurzelwerk unbeschadet und wurden optimal vor Sonneneinstrahlung geschützt. Ein solch kühles Plätzchen weiß aber auch der Mensch zu schätzen, weshalb man sich schon bald unter den bis zu 36 Meter hohen, grünen Riesen tummelte. Und weil der Bayer bekanntlich ein geschäftstüchtiger Zeitgenosse ist, haben die Brauer einfach Stühle und Tische unter die Kastanien gestellt und das in den Kellern frisch gezapfte Bier ein Stockwerk höher an die durstigen Münchner verkauft. Hohe Effizienz durch kürzeste Lieferwege – das Geschäft boomte, je heißer die Sommer waren.
1811 kletterten die Temperaturen auf rekordverdächtige 38,8 Grad Celsius und nur im Schutz der Kastanien war die Gluthitze mit einer kühlen Maß Bier in der Hand auszuhalten. Es war nicht mal dran zu denken, in ein stickiges Wirtshaus zu gehen, denn Essen wurde über den Kellern ja mittlerweile auch schon serviert. &quot;So ned!&quot;, beschwerten sich die von Umsatzeinbußen geplagten Münchner Wirte in diesem Sommer bei ihrem König Maximilian I. und hatten Erfolg: &quot;Den hiesigen Bierbrauern gestattet seyn solle, auf ihren eigenen Märzenkellern in den Monaten Juni, Juli, August und September selbst gebrautes Märzenbier in Minuto zu verschleißen, und ihre Gäste dortselbst mit Bier u. Brod zu bedienen. Das Abreichen von Speisen und anderen Getränken bleibt ihnen aber ausdrücklich verboten. Verord. v. 4. Jänner 1812“ (Originaltext der Verfügung)
Der Schutz der Interessen der Gastwirte war gewahrt und der Biergarten geboren. Noch heute bringt man sich seine Brotzeit von zu Hause in den Biergarten mit und kauft dem Brauer nur das Bier und die Breze ab – auch wenn natürlich mittlerweile zahlreiche Speisen zum Verkauf angeboten werden.<br />Wenn man heute &quot;auf &quot; dem Augustinerkeller, dem Paulaner am Nockherberg oder dem Hofbräukeller in Haidhausen sitzt und der Kies unter den Schuhen knirscht, sollte man einen Blick in das dichte Blätterwerk der mächtig wogenden Kastanienkronen über einem werfen und die Hand auf einen der an die zwei Meter dicken Stämme legen: Es überkommt einen das erhebende Gefühl, dass in diesen ältesten Biergärten Münchens schon seit Jahrhunderten getrunken, gelacht und gelebt wird.
<i>mpr</i><p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Tue, 07 Jul 2020 08:30:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Münchens grüne Lunge - der Englische Garten</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/muenchens-gruene-lunge-der-englische-garten.html</link>
			<description>Der Englische Garten in München zählt zu den größten innerstädtischen Parks weltweit und sorgt für...</description>
			<content:encoded><![CDATA[„Hier wo ihr wallet da war sonst Wald nur und Sumpf&quot; - Aufschrift der steinernen Bank im Südteil des Englischen Gartens nach einem Entwurf von Leo von Klenze, 1838
In dem Sommer des Jahres 1789, in dem die hungernde Pariser Stadtbevölkerung zum epochalen Angriff gegen Absolutismus und Leibeigenschaft bläst und das Angesicht Europas damit für immer verändern wird, wird in München ein Garten angelegt – der erste Volksgarten Europas.
In Auftrag gegeben vom damaligen Kurfürsten Carl Theodor war er zunächst Militärgarten und später eine der größten Parkanlagen der Welt. Mit 417 ha Fläche, davon etwa 130 ha Gehölz-, 186 ha Wiesen- und 16 ha Wasserflächen, 78 km Wegenetz, über 100 Brücken und Stegen und Bächen, mit einer Gesamtlänge von 8,5 km ist er größer als der New Yorker Central Park oder der Londoner Hyde Park und fast doppelt so groß wie der Berliner Tiergarten. 
In seinem Mischbestand an Bäumen beherbergt der Englische Garten über 50 brütende Vogelarten, aber auch Igel, Eichhörnchen, Wildkaninchen und nicht zuletzt Feldhase und Fuchs sagen einander hier Gute Nacht. Dabei befindet er sich zu einem guten Teil inmitten der Stadt und wird jährlich von 3,5 Millionen Menschen besucht, was vor allem abfalltechnisch eine große Herausforderung darstellt: von 70 Tonnen Müll muss der Englische Garten jedes Jahr befreit werden.
Als der Park 1792 für die Münchner Bevölkerung geöffnet wurde, umfasste diese nur 40.000 Menschen – heute aber atmet der Englische Garten für das 34-fache an Einwohnern Kohlendioxid ein und Sauerstoff aus. Von Vorteil ist hierbei seine aus der englischen Gartenbaukunst stammende Gestaltung als natürliche, belassene Landschaft, entgegen der zu Zeiten seiner Entstehung architektonisch noch immer dominierenden Barockgartenform französischer Prägung, bei der exakte geometrische Formen allen Wildwuchs untersagen.
<a href="typo3/img/garten-2-big.jpg" rel="lightbox[e-garten]"></a>So war denn auch sein erster Ideengeber und Fürsprecher beim Kurfürsten der damalige bayerische Kriegsminister Benjamin Thompson, welcher ursprünglich aus der britischen Kolonie Massachusetts stammte. Eine jede bayerische Garnisonsstadt sollte einen Militärgarten erhalten, mit der Absicht die Soldaten sowohl landwirtschaftlicher Schulung zu unterziehen, als auch natürliche Trainingsmöglichkeiten zu schaffen und schließlich Möglichkeiten zur Erholung zu bieten. Diesen Naherholungsaspekt auch dem Volke zu gewähren, war dem Kurfürsten Carl Theodor, der sich im Geiste der Aufklärung als Reformer einen Namen machte, ein Herzensanliegen. Und so kommt es, dass man heute zwar nicht mehr wie noch anfangs von &quot;Theodors Park&quot; spricht, aber noch immer mit Staunen durch die großzügigen Weiten und schier endlosen Räume dieses gartenarchitektonischen Meisterwerks streift und sich zu jeder Jahreszeit an seiner Schönheit freut. 
Als 1966 die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1972 an München ging, wurden die Bauarbeiten am Mittleren Ring abgeschlossen. Diese Stadtautobahn teilt den Englischen Garten seither in einen südlichen und einen nördlichen Teil. Eine 2010 gegründete Bürgerinitiative und Stiftung setzt sich für Wiedervereinigung der beiden Parkteile ein und fordert dazu, die Stadtautobahn auf einer Länge von 300 m unter die Erde zu legen.
<i>mpr</i>
<p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Tue, 07 Apr 2020 08:30:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Die Photosynthese und die Buche</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/die-photosynthese-und-die-buche.html</link>
			<description>Die Photosynthese ist der bedeutendste Energieumwandlungsprozess der Erde, durch den alle höheren...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Eine gewöhnliche oder auch Rotbuche, deren Art rund 19 % der deutschen Waldfläche bewachsen, besitzt im Alter von 100 Jahren bei einer Höhe von 35 Metern ein Blätterwerk, das etwa eine Million Blätter umfasst. In jedem dieser Blätter befindet sich der grüne Farbstoff Chlorophyll. Er absorbiert vorwiegend Licht des blauen, roten und violetten Bereichs und reflektiert grünes Licht – das lässt chlorophyllhaltige Pflanzenteile grün erscheinen. Im Herbst verliert der Baum langsam diese Farbmoleküle, so dass andere Pigmente dominieren und uns die Wälder fast&nbsp;golden erscheinen lassen. 
Im Sommer aber, wenn die Mittagssonne in Mitteleuropa in einem Winkel von 60° bis 65° steht und bei idealen Wetterbedingungen mit einer Bestrahlungsstärke von etwa 700 Watt pro Quadratmeter auf die breite, ausladende Krone der Buche scheint, laufen die kleinen Kraftwerke in den Blättern auf Hochtouren. 
Denn das Chlorophyll ist während des komplexen biochemischen Prozesses, der sich aus den zwei griechischen Wörtern &quot;photos&quot; für Licht und &quot;synthesis&quot; für Zusammensetzung ableitet, dafür verantwortlich, dass die Blätter aus dem Kohlendioxid der Luft und aus dem Wasser des Bodens Nährstoffe hervorbringen können. Der grüne Farbstoff ist in den Farbstoffträgern der Zellblätter, den so genannten Chloroplasten eingelagert. Hier findet die Photosynthese statt.
Auf den Blattunterseiten befinden sich Spaltöffnungen, so genannte Stomata, durch die Luft in das Innere der Blätter gelangt und die Hohlräume zwischen den Pflanzenzellen durchströmt. Durch Nutzung der Sonnenenergie gelingt es den Chlorophyllmolekülen, der Luft das Kohlendioxid zu entziehen. Damit beginnt ein kompliziertes Herstellungsverfahren: 
Das Kohlendioxid reagiert mit dem Wasser, das den Baum durchfließt und als Endprodukt entsteht Glucose, auch Traubenzucker genannt. Von diesem energiereichen Stoff lebt und ernährt sich der Baum. Traubenzucker ist wasserlöslich und so kann er durch den ganzen Baum transportiert werden. Neben der Glucose wird aber auch eine andere chemische Verbindung freigesetzt: Sauerstoff, auf den das Leben auf diesem Planeten angewiesen ist.
Bei unserer 100-jährigen Beispielbuche treten pro Stunde etwa 1,7 Kilogramm Sauerstoff aus den Spaltöffnungen der Blätter. Das ist so viel Sauerstoff, wie 50 Menschen im Durchschnitt benötigen, um eine Stunde zu atmen. Je mehr Strahlung das Blatt trifft und je mehr Chlorophyll ein Blatt besitzt, desto höher ist die Photosyntheseleistung. Außerdem spielt die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur eine große Rolle. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und etwa 30°C sind die Stomata maximal geöffnet und der Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff ist am besten gewährleistet. Dass die Tropen deshalb als die &quot;Grüne Lunge&quot; des Planeten bezeichnet werden, verwundert angesichts dieser Tatsachen nicht. 
Nachdem die oben beschriebene Rotbuche während der letzten Eiszeit aus Mitteleuropa verdrängt wurde, überlebte sie im Mittelmeerraum und begann ihre Rückeroberung des europäischen Verbreitungsgebietes vor etwa 10.000 Jahren. Seither produziert sie täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang Sauerstoff und Traubenzucker für sich und ihre Umwelt.
Am 25. Juni 2011 hat das UNESCO-Welterbekomitee fünf alte, deutsche Buchenwaldgebiete in die Liste des Welterbes aufgenommen. Damit reihen sich in das grenzüberschreitende Weltnaturerbe Buchenwälder, dem ursprünglich Waldflächen in der Ukraine und der Slowakei angehören, auch deutsche Wälder ein. Die Welterbestätte heißt jetzt &quot;Buchenurwälder in den Karpaten&nbsp;und alte Buchenwälder in Deutschland&quot;. Diese sind der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen, der Grumsiner Forst in Brandenburg, der Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern, der Nationalpark Jasmund und der Nationalpark Hainich in Thüringen. In diesen Wäldern finden sich Buchen, die stolze 260 Jahre alt sind – damit stellen sie die ehrwürdigsten verbliebenen Reste großflächiger, naturbelassener Buchenbestände in Deutschland dar.
<i>mpr</i><p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Sat, 07 Mar 2020 08:31:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Vogelschutz und Baumpflege</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/vogelschutz-und-baumpflege.html</link>
			<description>Vögel sind Zivilisationsfolger und der städtische Baumbestand ist ihr Rückzugsgebiet. In dem...</description>
			<content:encoded><![CDATA[&quot;Mein Bruder bat die Vögel um Verzeihung. Das scheint sinnlos, und doch hatte er recht; denn alles ist wie ein Ozean, alles fließt und grenzt aneinander; rührst Du an ein Ende der Welt, so zuckt es am anderen.&quot;
<i>Fjodor Michailowitsch Dostojewski – Die Brüder Karamasov VI, 3 (1879/80)</i>
Bei unserer Arbeit rund um den Baum sind wir uns dieser Tatsache stets voll bewusst und werden ihr durch Respekt und Rücksicht gerecht. In dem feinnervigen Geflecht urbaner Ballungsräume gehört der Vogelschutz dabei zu einer der schwierigsten Aufgaben und soll im Folgenden etwas näher beleuchtet werden. 
Die Klasse der Vögel ist die artenreichste der Landwirbeltiere. Sie umfasst etwa 10.474 Vogelarten mit etwa 35.000 Unterarten. Vor 350 bis 200 Millionen Jahren erhoben sich Insekten in die Lüfte und blieben dort für etwa 150 Millionen Jahre unter sich. Dem steten Kampf um Nahrung und Überleben geschuldet folgten den Insekten dann gigantische Flugsaurier und beherrschten diesen Lebensraum bis vor 65 Millionen Jahren – ihre Flügel bestanden aus Haut, die sich zwischen Knochen und Knöcheln aufspannte. 
Der evolutionäre Link zum heutigen Federvieh fehlte lange Zeit. Bis 1860 im Gemeindesteinbruch Solnhofen der Fund einer versteinerten Feder für Furore sorgte und im Jahr darauf ganz in der Nähe, der Fund des ersten vollständigen Skeletts eines Archaeopteryx. Bisher wurden mindestens neun weitere dieser &quot;Urvogel&quot;-Fossilien gefunden und ihre Bedeutung für die Wissenschaft ist enorm. Denn was Darwin ein Jahr zuvor behauptete, aber nicht belegen konnte, wurde nun steinerne Wahrheit: das Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln war entdeckt, die Evolutionstheorie hatte ihr schlagkräftigstes Argument gefunden.
Vögel sind die mit Abstand besten Luftakrobaten, die die Welt je gesehen hat. Sie fliegen in schwindligen Höhen und gefährlich nahe über dem Boden, mit Hochgeschwindigkeit und in der Luft stehend, aber immer mit überragender Präzision und Körperkontrolle. Obwohl die Erde von zahlreichen, extrem lebensfeindlichen Gebieten beherrscht wird, gibt es kaum einen Ort auf diesem Planeten, den Vögel nicht erobert hätten. Ihre außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit, die von der Abweichung einfacher Verhaltensweisen bis hin zur Veränderung anatomischer Gegebenheiten reicht, macht ihnen das möglich.
<a rel="lightbox[blaumeise]" href="http://baum-und-astwerk.de/img/meise.jpg"></a>Aber weder die eisigen Weiten der Antarktis, noch der kochende Sand der Wendekreiswüsten oder die vulkanischen, ätzenden Heißwasserquellen in Afrika haben die Vögel in ihrer über 200 Millionen Jahre alten Geschichte so herausgefordert, wie die Anpassung an ein Phänomen, das vor etwa einem Jahrhundert seinen Siegeszug antrat: die moderne, urbane Metropole – eine Wildnis aus Glas und Ziegel, Beton und Stahl. <br /> Ohne eine Wertung vornehmen zu wollen, lässt sich feststellen, dass Mülldeponien Vögeln als Nahrungsquellen dienen, Gebäude und deren Vorsprünge als Nistplätze herhalten und, wie in manchen Fällen beobachtet, der Straßenverkehr als Hilfe zum Knacken von Nüssen genutzt wird. Diese Beispielliste ließe sich um ein Vielfaches erweitern und doch gibt sie schon jetzt eine Ahnung davon, wie der Mensch diese Tiere in neue Abhängigkeiten gedrängt hat und deshalb zweifelsohne Verantwortung für sie trägt. Das gilt im Besonderen für das Tätigkeitsfeld der Baumpflege, weil sie täglich mit dem Rest an natürlichem Lebensraum in urbanen Ballungsräumen zu tun hat, den die Vögel bewohnen: dem städtischen Baumbestand.
Die juristische und gesellschaftspolitische Seite des Vogelschutzes ist sehr umfangreich, und kann an dieser Stelle keine genaue Erläuterung erfahren. Aber kurz umrissen ist Vogelschutz eine Sammelbezeichnung für sämtliche Maßnahmen, die zur Erhaltung, Förderung oder Ansiedlung von Vögeln geeignet ist. In behördlichen Zuständigkeitshierarchien stellt der Vogelschutz eine Teileinheit des Naturschutzes dar und wird wissenschaftlich von der Ornithologie untermauert. (<link http://de.wikipedia.org/wiki/Vogelschutz - - "Quelle: Wikipedia">http://de.wikipedia.org/wiki/Vogelschutz</link>). Der Vogelschutz ist größtenteils auf europäischer Ebene geregelt und wird dann entsprechend auf nationale und wiederum landesweite Gesetze umgelegt. Für Bayern gilt die &quot;Verordnung über die Festlegung von europäischen Vogelschutzgebieten sowie deren Gebietsbegrenzungen und Erhaltungszielen (VoGEV)&quot; in der Fassung vom 12. Juli 2006. <br /> In engem Zusammenhang mit der Baumpflege stehen die Themen Naturschutz, Baumschutz und Artenschutz. Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sieht den Zeitraum vom 1. März bis 30. September als einen vor, in dem Vögeln nicht unnötig Nist- und Brutstätten durch Fällungen oder Schnittmaßnahmen entzogen werden dürfen. Die Auslegung dieses &quot;Allgemeinen Artenschutzes&quot; (§§ 39-43) obliegt vor allem der Unteren Naturschutzbehörde und entsprechenden Fachfirmen, die in der Lage sein müssen, ihre Entscheidungen ausreichend dokumentieren und begründen zu können.<br /> Darüber hinaus hat der &quot;Besondere Artenschutz&quot; (§§ 44-47) uneingeschränkt Geltung. Dieser verbietet die Zerstörung tatsächlich vorhandener oder regelmäßig benutzter Brut- oder Niststätten. &nbsp;
Es scheint, als ob das Bedürfnis des urbanen Menschen, wilde Tiere, wie es Vögel sind, in seiner Nähe zu wissen, ebenso stark ist, wie seine Regung, sich die Natur untertan zu machen und den Schutz der Vögel zugunsten seiner eigenen Interessen hintan zu stellen. Vogelschutzorganisationen, Verbände und Vereine einerseits - Abwehr, Ausrottung und Ahnungslosigkeit andererseits. 
Lösen werden wir dieses Problem nicht können, aber im Umfang unserer Möglichkeiten als Baumpflegfirma übernehmen wir Verantwortung für den Lebensraum Baum und wollen den Vögeln, unseren städtischen Mitbewohnern, gute Nachbarn sein. 
<i>mpr</i>
<div><div id="ftn1"></div></div><p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Thu, 07 Mar 2019 09:53:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Baum des Jahres 2015: Der Feldahorn</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/baum-des-jahres-2015-der-feldahorn.html</link>
			<description>Lecker wie Sauerkraut, robust wie die Großen und gelb wie Gold: Der Gewinner im Porträt</description>
			<content:encoded><![CDATA[&quot;Willst Du Dich am Ganzen erquicken, so musst Du das Ganze im Kleinsten erblicken.&quot;
<i>Johann Wolfgang von Goethe</i>
152 Arten gibt es in der Gattung der Ahörner, darunter mächtige, wie der Berg- oder der Spitzahorn. Aber nicht die Großen und Auffälligen haben sich für das Jahr 2015 den Titel &quot;Baum des Jahres&quot; gesichert, sondern einer der kleinsten: der Feldahorn. Bei den Botanikern heißt der im Durchschnitt nur 15 Meter hohe Baum &quot;Acer campestre&quot;, aber die Großmütter kennen ihn noch als Maßholder. Diese althochdeutsche Bezeichnung verrät, dass er einst als &quot;Speisebaum&quot; diente, weil die Blätter früher als Futter oder in Notzeiten auch als Sauerkrautersatz verwendet wurden. Auf der Suche nach vergessenen Rezepten nehmen manche Köche die jungen Frühjahrsblätter des Feldahorns auch heute wieder als Salat auf die Speisekarte. 
Nur in Schottland, Irland und Skandinavien geht das nicht, weil es ihm dort nicht warm und hell genug ist. Aber ansonsten hat der Feldahorn ein gewaltiges Ausbreitungsgebiet, dass im Osten bis an den Kaukasus reicht und im Süden fast Afrika berührt. Seine widerstandsfähige, knorrige Art, seine hohe Trockenheits- und Überflutungstoleranz und seine robuste Krankheitsresistenz machen ihn zu einem ehrlichen Feldgehölz, dass nur eines nicht ausstehen kann: Schatten. Deshalb kommt er im Wald so gut wie gar nicht vor, sondern wächst eher an dessen Rand oder auf dem offenen Feld, wo er aus allerlei Buschwerk emporragt und Kleingetier wertvollen Schutz bietet - selbst unter der Erde. Denn das Herzwurzelsystem des Feldahorns ist stark verästelt und reicht bis in einen Meter Tiefe. 
Als man irgendwann aufgehört hatte seine Blätter zu essen und sein sehr schweres, hartes Holz zum Beispiel für Schuhnägel zu verwenden, geriet der Feldahorn vielerorts in Vergessenheit. Nicht zuletzt weil seine geringe Stammstärke für die forstliche Nutzung oft nicht ausreicht. Grund genug für die <link http://baum-des-jahres.de/index.php - external-link-new-window "Opens external link in new window">Dr. Silvius Wodarz Stiftung</link> den Feldahorn zum &quot;Baum des Jahres 2015&quot; zu küren und ihm damit neue Aufmerksamkeit zu verschaffen. Denn als Stadt- und Straßenbaum bietet sich diese ozon- und hitzetolerante Ahorn-Art gerade wegen ihres Kleinwuchses gut an. Mit seiner auffallend goldgelben Herbstfärbung kann er in regengrauen Metropolen als natürlicher Farbtupfer dienen und selbst dem strengsten Städter macht es Spaß, sich die Früchte des Ahorns, die sogenannten &quot;Nasenzwicker&quot;, auf den Riecher zu setzen. Ferner macht der platzsparende urbane Alleskönner in letzter Zeit als formgeschnittener Zierbaum in den immer kleiner werdenden Gärten und Naherholungsgebieten Karriere.
Durchgesetzt hat sich der unscheinbare Feld-Ahorn bei der 27. Wahl zum &quot;Baum des Jahres&quot; übrigens gegen die Fichte und den Amberbaum, die mit ihm in der engeren Wahl standen. Aber weil davon auszugehen ist, dass derlei PR-Rummel einem Baum der bis zu 600 Jahre alt werden kann reichlich egal ist, bekommt er eine schöne Blondine an die Seite: Frau Claudia Schulze hat sich seiner Sache angenommen und frohlockt: „Dem Feld-Ahorn gilt es als unbeachtete Baumart dieses Jahr gebührenden Respekt zu verschaffen! Ich freue mich, diese Verantwortung als <link http://baum-des-jahres.de/index.php?id=47&tx_ttnews[tt_news]=134&cHash=acfb2a832346ea6196bb454c40b3c986 - external-link-new-window "Opens external link in new window">Baumkönigin 2015</link> übernehmen zu können!&quot; Dann ist ja alles im grünen Bereich.
<br /><i>mpr</i><p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Fri, 07 Aug 2015 06:52:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Baum des Jahres 2014: Die Trauben-Eiche</title>
			<link>https://www.baum-und-astwerk.de/nachrichten/artikel/baum-des-jahres-2014-die-trauben-eiche.html</link>
			<description>Sie kann uralt werden, ist sagenumwoben und bei Tieren und Menschen gleich beliebt: Die...</description>
			<content:encoded><![CDATA[&quot;Eiche, deine dunkeln Zweige ragen <br /> Stolz empor aus längst vergangnen Tagen,<br /> Geister wandeln durch dein ästig Haus;<br /> Sieben Menschenalter sahst du schreiten,<br /> Und wie Harfen aus den alten Zeiten<br /> Rauscht es durch dein Laub im Sturmgebraus.&quot;
<i>Ritter Hermann von Lingg (1820-1905)</i> 
In der Tat umgibt diesen mächtigen Baum eine außergewöhnliche Aura. Und nicht zuletzt deshalb hat die &quot;Dr. Silvius Wodarz Stiftung&quot; die Trauben-Eiche mit dem lateinischen Namen Quercus petraea zum Baum des Jahres 2014 gekürt. Ein kleines Jubiläum, denn vor 25 Jahren, als die Auszeichnung erstmals vergeben wurde, hat man die eng verwandte Stiel-Eiche zum Baum des Jahres 1989 ernannt. Der wesentliche Unterscheid liegt in der Form der Früchte: Während die Eicheln der Stiel-Eiche an längeren Stielen hängen, wachsen die Eicheln der Trauben-Eiche direkt an Ast und Blatt und erinnern damit an die gehäufte Form von Trauben. 
 Der große, sommergrüne Laubbaum kann bis zu 40 Meter hoch, weit mehr als drei Meter dick und an die 800 Jahre alt werden. Einigen Eichen-Exemplaren sagt man sogar an die 1000 Lenze nach: Mit dabei sind die Femeiche von Raesfeld in Westfalen, die Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern oder die Begräbniseiche von Nöbdenitz in Thüringen. Und erst wenn die Trauben-Eiche etwa 120 Jahre alt ist, ist ihr Wachstum abgeschlossen. Diese andere Zeitlichkeit macht sie für die Menschen seit jeher zum Sinnbild von Standfestigkeit, Kraft und Stärke, umgeben von einem magischem Mythos und sagenumwobenen Volksglauben. So war der Jahrhunderte überdauernde Baum den Germanen einst sogar heilig: Die &quot;Donareiche&quot; war ein dem germanischen Gott Donar, besser bekannt als Thor, gewidmeter Baum im heutigen Nordhessen. Ein Weltenbaum, der das ganze All auf seiner mächtigen Krone durch alle Zeiten trägt. Ausgestattet mit dieser Autorität diente die Eiche auch als Gerichtsbaum. 
In der Trauben-Eiche verbinden sich Licht und Leben auf besondere Weise. Denn die Sonne, die sie in Anspruch nimmt um in die Höhe zu wachsen, teilt sie mit den Lebewesen am Boden. Als &quot;Tierheim der Natur&quot; bezeichnet man diesen Baum, weil sich unter seiner lichtdurchlässigen Krone auffallend viele Insekten, Pilze und Waldtiere tummeln. Dass ihr Wasserhaushalt wenig empfindlich auf Hitzeperioden reagiert, hat ihr unter anderem zur Auszeichnung als &quot;Baum des Jahres 2014&quot; verholfen: &quot;Wegen ihrer Robustheit gegenüber Trockenheit und Wärme hat sie möglicherweise eine größere Zukunft als die Stiel-Eiche&quot;, begründete Stiftungspräsident Silvius Wodarz die Entscheidung mit Blick auf den Klimawandel. 
Aber neben dem Lebensspender Licht fällt noch etwas anderes ab, was den Eichen einen besonderen Stellenwert bei Mensch und Tier einräumt: Die Eicheln sind derart nahrhaft, dass man die Schweine einst zur Mast in die Wälder schickte und dann zu sagen pflegte, dass &quot;auf den Eichen der beste Schinken wachse&quot;. Aus bis zu 38 % Stärke besteht die fast drei Zentimeter lange Frucht der Trauben-Eiche und diente neben Eichhörnchen, Eichelhäher und anderen Wald-Gourmets auch schon dem hungerleidenden Menschen in Notzeiten als Kaffeeersatz, Mehl und Breizutat – bitter, aber sättigend. 
Doch als im 19. Jahrhundert der großflächige Feldfutterbau Einzug in die Landwirtschaft erhielt, stand nicht länger die Eichel, sondern das wertvolle Holz der Trauben-Eiche im Mittelpunkt der Nutzung durch den Menschen. Die fäulnishemmenden Stoffe im wasserundurchlässigen Kernholz machen es hart und beständig. Überall wo solide Dauerhaftigkeit unabdingbar war, wurde Eichenholz eingesetzt: Im Schiffsbau, im Fachwerkbau und bei Pfahlbauten wie der Hamburger Speicherstadt. So ruht der größte Lagerhauskomplex der Welt auf unerschütterlichen Eichenpfählen, die vor mehr als hundert Jahren in den sandigen Grund der Elbe gerammt wurden. 
Ebenfalls getragen von Eichenholz ist der Geschmack besonderer Weine: Das &quot;Barrique&quot;, von dem französischen Wort &quot;baril&quot; für Fässchen, gibt dem darin gereiften Wein eine tanninreiche Holznote. Diese Tannine, oder Gerbstoffe, sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Lederverarbeitung. Hierzu bewirtschaftet man die Trauben-Eiche als so genannten Niederwald, der bereits nach 15 bis 20 Jahren gerodet wird. Die anschließend abgeschälte und getrocknete Rinde ist mit ihrem hohen Gerbsäureanteil von bis zu 20 % auch in der Medizin von Bedeutung: Sie ist blut- und juckreizstillend, antiseptisch, hilft gegen Hauterkrankungen, Fußschweißbildung und Frostschäden. 
Ein Allround-Talent, dessen natürliche Verbreitung von den britischen Inseln bis nach Kleinasien reicht. Auf ganz unterschiedlichen Terrains entfalten sich seine kräftigen Pfahlwurzeln rund um eine steil nach unten wachsende Hauptwurzel und geben der Trauben-Eiche ihre charakteristische Sturmfestigkeit. So können edle Furnierholzbestände entstehen, die wertvollsten von ihnen stehen im Spessart und im Pfälzer Wald. Aber die vielseitige Trauben-Eiche besitzt einen ganz natürlichen Selbstschutz vor allzu eifriger Nutzung durch den produktorientierten Endverbraucher: Ihr Leben überdauert bis zu 30 Menschen-Generationen und damit zwingt sie zu langfristigem, nachhaltigem Denken. Oder um mit den Worten des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry zu schließen: &quot;Wenn man eine Eiche pflanzt, darf man nicht die Hoffnung hegen, nächstens in ihrem Schatten zu ruhen.&quot; 
<i>mpr</i>
<p></p><img src="http://www.baum-und-astwerk.de/" width="220"  />]]></content:encoded>
			
			
			<pubDate>Mon, 07 Jul 2014 07:14:00 +0200</pubDate>
			
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